Einführung in die Praxis
„Der Tag, auf den du gewartet hast, ist heute.“
Was ist Meditation?
In Meditation zu sein, bedeutet, ganz im Hier und Jetzt gegenwärtig zu sein. Meditation hat wenig mit Kerzen, Räucherstäbchen und einer Buddha-Statue zu tun, sondern ist eine gesammelte und sich immer wieder sammelnde Geisteshaltung. Ich kann im Bus, in der U-Bahn, auf einer Parkbank und im Supermarkt meditieren. Zu meditieren bedeutet ganz und gar präsent zu sein und dadurch festzustellen, was in mir und um mich herum geschieht. Dann bin ich in der Lage, meine Wahrnehmungen, meine Gefühle und Emotionen zu erkennen. Wenn ich meine Wahrnehmungen, Gefühle und Emotionen erkennen kann, gelingt es mir auch, mich gut um sie zu kümmern, sie zu beruhigen und sie zu transformieren und das bedeutet, dass ich nicht mehr so viel und so tief leide.
Was ist Achtsamkeit?
Achtsamkeit bedeutet immer achtsam auf etwas zu sein: Wenn ich achtsam Zähne putze, dann ist das die Achtsamkeit des Zähneputzens, wenn ich achtsam den Müll raustrage, dann ist das die Achtsamkeit des Müllhinaustragens, wenn ich achtsam uriniere, dann ist es die Achtsamkeit des Urinierens. Ich kann alles in Achtsamkeit tun, den ganzen Tag lang, immer und immer wieder. Wenn ich Menschen, Tieren und Pflanzen gegenüber achtsam bin, verändert sich mein ganzes Leben und ich empfinde viel mehr Liebe, Mitgefühl, Freude und Gelassenheit und werde ein glücklicherer Mensch. Achtsamkeit ist der Schlüssel zur Erleuchtung und hilft uns jeden Moment unseres Lebens in Frieden und Freiheit zu sein.
Die vier unermesslichen Geisteshaltungen
Die vier unermesslichen Geisteshaltungen werden so genannt, weil sie – wenn wir sie praktizieren – uns unermessliche Liebe und unermessliches Mitgefühl, unermessliche Freude und unermesslichen Gleichmut bringen.
- Liebe: Hier ist die allumfassende Liebe gemeint, eine Liebe die aus dem Verständnis für die andere Person, das andere Wesen erwächst. Eine Liebe, die nicht besitzergreifend ist, sondern allen Wesen ihre Freiheit lässt. Wir alle sind zu dieser Art von Liebe fähig und wahrscheinlich hat jede und jeder von uns schon Momente der allumfassenden Liebe erlebt. Ein Gefühl, man könnte die ganze Welt umarmen und nichts und niemand stört und alles ist wunderbar und in Ordnung.
- Mitgefühl: Hier geht es in erster Linie um das Mitgefühl für uns selbst. Wir sind viel zu selbstkritisch, sind viel zu oft unzufrieden mit uns und bestrafen uns auf vielfältige Weise. Oft haben wir das Gefühl versagt zu haben und sind dann ärgerlich, unwirsch und manchmal sogar feindselig uns gegenüber. Das macht es uns schwer, uns erneut ein Ziel zu stecken, aus Angst, wir könnten wieder versagen und werden erneut ärgerlich mit uns sein. Wenn wir Mitgefühl mit uns selbst praktizieren, fällt es uns ganz leicht, auch Mitgefühl für andre zu haben. „The way out is in“ (der Weg heraus führt nach innen) sagt Thay unser Lehrer Thich Nhat Hanh.
- Freude: Bei dieser Art von Freude handelt es sich um eine reine, klare und unschuldige Freude, so wie die eines Kindes, das am Meer mit einer Muschel spielt. Diese Freude ist vor allem als Mitfreude für uns wichtig, sich mit anderen zu freuen macht uns froh und liebevoll. Manchmal sind wir neidisch auf den Erfolg anderer, manchmal sind wir gierig auf das, was andere besitzen. Uns am Erfolg oder Besitz Anderer mitzufreuen, macht uns selbst glücklich. Der Name unserer Sangha lautet Mudita und das ist das Sanskritwort für Freude und wir sind wirklich eine freudvolle Gemeinschaft.
- Gleichmut: Was für ein wunderbares Gefühl ist es, wenn wir den Herausforderungen des Lebens mit Gleichmut begegnen können. Nicht mit Gleichgültigkeit. Gleichmut bedeutet, dass wir alles wahrnehmen und aufnehmen, aber wir müssen nichts damit machen, wir sitzen einfach am Fluss des Geschehens und betrachten es liebevoll und gleichmütig. Das macht uns frei und schenkt auch anderen Freiheit.
Alle vier unermesslichen Geisteshaltungen beeinflussen einander. Wenn ich Liebe praktiziere, erlange ich Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Wenn ich Mitgefühl praktiziere, entwickle ich Liebe, Freude und Gleichmut. Praktiziere ich Freude, dann entstehen Liebe, Mitgefühl und Gleichmut und Gleichmut zu praktizieren führt zur Entwicklung von Liebe, Mitgefühl und Freude.
Wir sind so dankbar für diese Lehre des Buddhas über die vier unermesslichen Geisteshaltungen (Brahma Viharas).
Der Anfängergeist
Wir freuen uns immer, wenn ein neues Mitglied zu unserer Sangha kommt. Eine neue Freundin oder ein neuer Freund, ein neues Geschwister hat immer viele Fragen, will wissen und erforschen, ist neugierig und bringt uns neue Gedanken und Ideen. All dies belebt die Sangha und hilft uns zu wachsen und wir erinnern uns an die Zeiten, in denen der Anfängergeist in uns selbst stark war und so können wir dann unseren eigenen Anfängergeist wieder neu beleben.
Übungsmöglichkeiten:
1. Sangha
Die schönste und einfachste Art zu praktizieren – zu üben – ist in einer Sangha. Eine Sangha ist eine Gemeinschaft von Menschen, die ein achtsameres, friedvolleres und erfüllteres Leben leben wollen. Dabei muss eine Sangha nicht perfekt sein, es genügt, sich regelmäßig zu treffen und allein aus dem Versuch heraus, einander verstehen zu wollen, entsteht schon ganz viel Übung. Ein Sangha vor Ort ist wunderbar, aber es gibt auch eine große Anzahl von Online-Sanghas auf der ganzen Welt, in Deutschland findet sich ein Verzeichnis der lokalen Sanghas auf intersein.de
2. Retreats
In vielen größeren Praxiszentren werden Kurse – sog. Retreats – angeboten. Die Teilnahme an einem dieser Kurse kann sehr tiefgreifende Veränderungen in unserem Leben bewirken, aber keine Angst, es sind Veränderungen zum Besseren.
3. Vorträge
Auf YouTube sind viele Vorträge von Thay, unserem Lehrer Thich Nhat Hanh, sowie von anderen Lehrern in unserer Tradition eingestellt.
Vorträge unserer online-Achtsamkeitstage gibt es hier unter der Sektion Vorträge.
4. Bücher
Unser Lehrer Thich Nhat Hanh hat über einhundert Bücher geschrieben. Ein unglaublicher Schatz, der uns unterstützt und uns in unserer Praxis weiterhilft. Seine Worte sind sehr einfach und für jede und jeden verständlich, so liebevoll und klar.
5. Online-Veranstaltungen
In den großen Praxiszentren in Hamburg, Berlin und München werden eine ganze Reihe von Online-Veranstaltungen angeboten. Auch im EIAB (Europäisches Institut für angewandten Buddhismus) in Waldbröl werden Online-Veranstaltungen angeboten:
Morgenmeditation: täglich von 7-7:45 (Link)
Abendmeditation, jeden Sonntag ab 20 Uhr (Link)
Rezitation der 5 Achtsamkeitsübungen, monatlich am 1. Dienstag um 19 Uhr (Link)
Online-Achtsamkeitstag, monatlich Sonntags, Termine siehe EIAB-Startseite (Link zum Online-Achtsamkeitstag)